niederschrift. spiegelbild. spuren im sand. chronik. fenster öffnen.
Eine lange Geschichte...


Man sollte den vorherigen Eintrag lesen, um die Quintessenz für meine Beweggründe, sowie den kommenden Inhalt, besser zu verstehen bzw. interpretieren zu können.

(Ich schrieb übrigens einfach drauflos ohne Pause und Ausbesserung. Man verzeihe meine durchwachsende Rechtschreibung. Auch eine richtige Einleitung spare ich mir)

Kennt ihr auch den Ausspruch „Partner fürs Leben“? Die Realität klopfte früh genug mit einer locker geballten Faust auf den Holztisch und gab sein bestes, sich scheltend bemerkbar zu machen…

Ich erinnere mich noch gut an das Jahr 2007. Anspannungen gab es vorher schon, u.a. hat man Sylvester nicht gemeinsam verbracht, aber dies war nur ein Sandkorn am langen Strand der Gegebenheiten. Es war vieles im unreinen, nach fast 3 Jahren Beziehung, aber ich setzte mich hin, entflammte eine Zigarette und begann nachzudenken. Wie könnte ich diese Beziehung retten? Für mich bedeute Sie alles, mein Leben, meine Zukunft. Andere Frauen weckten zu  keinem Zeitpunkt mehr mein Interesse. Für mich war sie nahezu perfekt.

Was hätte ich also tun können? Es war schwer für mich etwas durchzuziehen. Nicht aufgrund Faulheit oder mangelnder Interesse meinerseits:

Ich war und bin an Bipolarer Störung [Wen es interessiert: http://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_Störung ]erkrankt und leide unter extremen, nicht kontrollierbaren, Schüben. Mir wurde auch mal eine Form der Borderline Diagnostiziert, aber es macht auf mich nicht diese ausgeprägte Grundwertigkeit aus und ich glaube es persönlich auch nicht. Es ist eine sehr vielseitige Angelegenheit. Meist zeigt sich diese durch Panikattacken, Angstzuständen, kurzeitige Phobien, emotionslosem Tatendrang oder auch durch eine völlige Verzerrung der Realität.

Es hat mich schon so vieles gekostet. Mein angestrebtes Abitur, Ausbildungs- wie Arbeitsplätze und insbesondere Freundschaften. Sie, die Schübe, kommen unregelmäßig und in unterschiedlicher Dominanz. Ich habe keinerlei Einfluss auf jene und merke oft erst nach dem ausklinken jener, dass wieder einer eingetreten war.

Ich konnte es nicht einmal bei Ihr zur Ansprache bringen. War ich doch eher der ruhige, teils leicht trottelig- ungeschickt gespickte Typ, der höchstens mit seiner Arbeitsstelle unzufrieden war. Sie hatte einfach ihre eigenen Probleme und diese waren wirklich schwerwiegend, was das ganze natürlich zu einem nahezu uferlosen Unterfangen gemacht hätte.

Hätte ich es ihr mitteilen sollen? Sie wirkte innerlich so dermaßen zerrissen (was sie nahezu immer verstecken wollte, aber das gelang ihr irgendwo selten. Ich ließ mir aber auch nichts Annmerken), auf dass ich eine viel zu große Angst hegte, sie könne unter jeder weiteren Last, selbst einem weichen Kissen, komplett zusammenbrechen. Ich habe ihr vollkommen Vertraut und irgendwann hätte ich einmal tief durchgeatmet und es mal in einer neutralen Umgebung erzählt. Aber eine Gelegenheit dieser, war mir all die Zeit nicht vergönnt.

Ich brach zuhause oft in tränen aus, manchmal auch wirklich richtig zusammen. Es war eine perplexe Mischung aus Sorge, Ungewissheit und Ängsten. Mein größter Wunsch war ihr zu helfen. Dafür hätte ich alles getan… Aber ich schaffte es nie. Ich kam nicht an Sie ran

Erst viel später wurde mir recht vieles klar und ich hätte mit diesem Wissenstand, eventuell, wenigstens eine Wunde verbinden können.

Ich möchte aber nicht viel über sie hier erzählen (Ich könnte ein Buch schreiben… ). Dies ist nicht mein Anliegen.

Mir fällt kein guter Übergang ein, also einfach weiter im Text:


Es sollte die große Überraschung werden zu ihrem Geburtstag: Eine Reise zu einem Ort den Sie schon immer gern besuchen wollte, sowie ein Schlüssel für ein gemeinsames Zuhause. Mit letztgenannten wollte ich sie nicht überrumpeln, aber zumindest einen Rückzuck punkt, einen gewissen Hort den Sie jederzeit nach belieben Nutzen könnte. Das war damals mein Ziel.


Ich stoppte also meinen Führerschein und nahm Abstand von so ziemlich allen dingen die Geld kosteten. Von Musik-Festivals, über Bar-Abende bis hin zu gar Kinobesuchen nahm ich ebenfalls Abstand. Sogar das Rauchen, wie auch Essen gehen, nahe der Arbeitsstelle, nahmen Einbussen und ich schmierte mir morgens wieder Brote. Ich war zu stark, wenn nicht sogar leicht verblendet rückwirkend betrachtet, motiviert, als das Ich anders hätte handeln könnte.

Innerhalb eines 3/4 Jahres hatte ich über 2400 Euro (Davon 1000€ als Leihgabe) angehäuft (u.a. einen Nebenjob angenommen, meine kleine Spielessammlung verkauft, bei Umzügen wie Tapezierungen ausgeholfen... ich bekomme das alles gar nicht mehr zusammen), mich über Ferienhäuser informiert… verdammt, selbst Mietwagen-Gesellschaften und Restaurants waren schon ausfindig gemacht. (Wenn es um Flüge und Buchungen geht, habe ich im Übrigen eh einen persönlichen Vorteil.) Ein Teil des Geldes bekam ich für die Mietkaution, welche ich hätte abbezahlen können.

Ich bin ziemlich gut, was grafische arbeiten angeht und erstellte in dieser Zeit eine art Prospekt. Wie jene, die man aus dem Reisebüro kennt. Wenn ich auf der Arbeit saß, so war meine größte Vorfreude heimzukehren und weiter daran zu Arbeiten, hier noch, da noch ein wenig was zu ändern, weitere Farbschemen erproben und mit einer pingeligen Genauigkeit alles Auszumessen.

Ich vernachlässigte auch ein wenig meine Arbeit selbst und erwischte mich bei Tagträumereien während, ich mit der linken Hand einen Kugelschreiber kreisen ließ, deren Wecker das Telefon im Büro, schräg rechts von mir, darstellte. Ich erwischte mich auch einmal dabei, dass ich mich am Telefon stumpf mit „Ja?“ meldete, statt mit der üblichen diskreten Vorstellung und es war auch noch ausgerechnet das Cheftier dran, haha…

Ich habe es noch immer vor Augen. Ich könnte es nahezu identisch nachbauen. Ich ging an einem Samstag los und enterte so ziemlich jedes mir bekannte Reisebüro um Vorlagen zu erhalten. Selbst diverse Prospekte aus dem Rathaus entnahm ich. Könnte ja irgendwo einen Funken Inspiration enthalten.

Stolz war ich auch auf meine Texte und den kleinen Beschreibungen auf den Bildern. Wenn ich jemals etwas Charmantes, Wortwitziges abgeliefert habe, dann das und ich feilte Ewigkeiten an ihnen, bis jene Rund schienen, wie eine Billardkugel. Testdrucke ließ ich direkt im Kopierladen machen. Sollte ja qualitativ hochwertig werden und täuschend echt wirken. Die junge Dame im Laden, welchen ich meinen USB-Stick reichte und jene es in den Rechner einspeiste, fand es zumindest furchtbar süß.

Dies treibt mir noch heute sofort Tränen in die Augen, weil ich noch nie so liebevoll und glücklich an einem - virtuellen - weißen Blatt gearbeitet habe und es stück für stück zum Leben erweckte… und das jenes alles repräsentierte, worauf ich hingearbeitet habe. Die Reise, die Wohnung,… einfach das Gesamtbild.

Den Moment, wo ich ein Feuerzeug zentriert unter den finalen Druck zitternd hielt, es anzündete und mit feuchten Augen mitverfolgte wie die Flamme sich durch das Werk bohrte, vergesse ich niemals. Selbst den Weg der Flamme könnte ich jederzeit beschreiben. Ich verbrannte mir auch Zeigefinger, wie Daumen, da ich einfach nicht losließ. Physische Schmerzen bemerkte ich eh nicht. Dem Windspiel wollte ich nicht einen kleinen Fetzen davon überlassen.

Ich glaube sie hat meinen bis dato fehlenden Führerschein, wie die Tatsache, dass ich noch nicht ausgezogen bin, sowie einige andere Dinge als abwertendes, wie mangelndes, voranschreiten gewertet. Ich habe all meine Energie in dieses Vorhaben gesteckt. Natürlich meine eigene Schuld, mit meiner grenzenlosen damaligen Naivität.

Sicher, dies war eine eher materielle Geste, aber das war nur die fehlende Fünzig von der gesamten Hundert. Ich arbeitete auch anderweitig an mir.

Ich versuchte ihr vieles Leichter zu machen, Ballast zu entfernen. Ein großer Belastungsgrund für Sie, war wohl auch meine damalig (geglaubt) vorherrschende Satyriasis (Ja, dass ist wirklich eine anerkannte Krankheit. Man glaubt es kaum. In gesellschaftlich- moralischen Gebieten verschwiegen und verpönt. Bevor jeder nun den Begriff bei „Google“ angibt: es ist eine Form der so genannten Sexsucht). Es war eine große Überwindung, eine anonyme Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Jemand der nie so was in Anspruch nehmen musste, spreche ich nicht unbedingt eine Form der kompletten Unnachvollziehbarkeit ab, aber das ist wirklich ein ganz schön starkes Stück. Allein vor die Anmeldung zu treten und dabei innerlich Tausend Tode zu sterben, setzt einen gewissen Grad an Überzeugung „… für die Sache“, an den Tag.

Wenn ich wirklich jemals darunter litt, war es „Pippifax“ als das, was ich unter anderen Patienten kennen lernen musste. Ich glaubte da teilweise meinen Ohren nicht und fühlte mich selten dermaßen harmlos, normal und unschuldig. Aber gut, ich wollte auch diesen Weg gehen, zumal ich ja dennoch einen eventuellen Nutzen für sie daraus ziehen konnte.

Aber DAS vergesse ich nie. Ein ungezeichnetes Diagramm, wirren Ausmaßes, aus Frauenschlägern, ehemaligen Vergewaltigern und komischen Gesellen, welche doch einfach eines darstellten und dies, teils wirklich gekonnt, überspielt haben: Päderasten. Meine fresse, ich war im falschen Film und suchte händeringend die Fernbedienung. Auch wenn mir berichtet wurde, dass ich nie ein solches Problem (also das Satyriasische!) hatte, war ich dennoch recht zufrieden mit einer folgenden Legung dessen die bis heute anhält. Ich war überglücklich nicht in einer weiteren Runde zu sitzen. Seitdem gab es das Problem auch nicht mehr, aber davon erfuhr sie ja eh nichts.

Es war sowieso ein wenig überspitzt, man sah sich eh nur am Wochenende und Sie war in der Hinsicht damals auch nicht sonderlich aktiv. Aber ich wollte ihr in jeder Form helfen und nahm auch dies - da sie es als Belastung ansah – zwischen meinen ganzen anderweitigen Unterfangen auf mich.

Dies sind jetzt nur wenige Beispiele, es gab noch weitaus mehr, aber ich will hier auch nicht eine komplette Ansammlung erstellen und alles Chronologisch auflisten. Während ich mir hier irgendwas ins Gewissen rufe, fallen mir direkt weiter 2-3 Sachen ein.

Ich war müde. Meine Tage wurden immer länger. Ich brauchte Geld für das Unterfangen, ich hatte mit meinen Schüben zu kämpfen, Freunde brauchten auch eine gewisse Aufmerksamkeit und dann noch die ganzen alltäglichen Dinge. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das alles überhaupt unter ein Dach bekommen habe. Ich hatte Monatelang 25 Stundentage.

Wenn ich Sie am Wochenende sah, war ich meist Todmüde. Es war nicht selten, dass ich gegen 21Uhr zu Bett ging. Ich liebte zwar sowieso mit ihr unter der Bettdecke zu Kuscheln (Nein, nicht „deswegen“…. Ihr Flegel!), aber auch an Nachmittagen brauchte ich 1-2 Stunden Schlaf. Ich war einfach körperlich wie Seelisch ausgebrannt. Während dieser Zeit machte ich einen fatalen Fehler, denn sie hatte mich irgendwo gebraucht. Sie streckte die Hand aus, aber ich konnte sie nur berühren, nicht halten. Ich war einfach zu kaputt und verkam zum Schauspieler.

Die Momente, wenn wir gemeinsam unter der warmen Decke lagen, aneinander geschmiegt,  die Augen schloss, die warme Haut spürte und der ruhige Atem auf der Brust oder Handfläche eben diese streichelte… Das waren die schönsten Momente in meinem gesamten Leben. Alles andere schien vergessen und bedeutungslos. Ich vermisse nichts mehr als diese Momente. Wenn ich zuerst im Bett lag, freute ich mich innerlich wie ein kleines Kind über sein Wunschgeschenk zu Weihnachten.

Es ist bis heute mein letzter Gedanke, bevor ich einschlafe. Der einzig klare Gedanke… Auch ertappte ich mich bereits mehrfach morgens dabei, im dämmernden Wachzustand, vorsichtig das Bett mit der Hand abzusuchen. Nur um dann wirklich zu erwachen und der ungewollten Schadenfreude der Sonne zu begegnen.

Sie wirkte später allgemein recht kraftlos und teils desinteressiert. Dieser Umstand war öfter anwesend, aber nicht in solch einer schwer definierbaren Form. Sie machte ja auch nie den Mund auf, da konnte man fragen was man wollte (Das könnte ich Seitenlang ausweiten… das war nun sehr grob ausgedrückt). Ich bot ihr an, ein wenig Abstand von unserer Beziehung zu nehmen, was sie bejahte und es fielen ihr scheinbar Steine von der Seele.

Eines Nachts kam eine SMS. Sie schrieb, dass sie mich so unendlich liebt und vermisst. Der Wortlaut war aber sehr verstörend und ich griff zum Telefon. Erst beim 2ten oder 3ten Versuch ging sie ran. Sie war in tränen und sprach mit hauchend schwerer Stimme. Ich machte mir große Sorgen, organisierte direkt am nächsten Morgen eine Mitfahrgelegenheit und fuhr zu ihr. Ich hatte Angst, dass niemand die Tür öffnet…

Sie öffnete auch nicht selbst, sondern ihre Mutter. Sie schien sehr überrascht mich zu sehen. Bevor Ich die Stufen hochgingen redete ich noch, bei einem Kaffee, mit ihr. Mit Ihr redete ich eigentlich recht selten, aber es kam in dem vorherigen Jahr einmal vor, dass sie mich mal zur Seite zog um mir ein paar Fragen bezüglich ihrer Tochter zu stellen. Ich konnte aber auch da schon nicht wirklich was sagen, da es mir irgendwo ein wenig unfair erschien hinter ihrem Rücken irgendwas Gewichtiges auszusprechen.

Ich wollte etwas sagen, bekam aber kein wirklich bedeutsames Wort heraus. Ich hatte selber einen Schub und konnte diesen nicht kompensieren. Warum ausgerechnet jetzt? Warum nur ausgerechnet da? Ich wollte einen Spaziergang vorschlagen, aber brachte es nicht rüber.  Wirklich viel haben wir nicht geredet und als sie mich gegen Abend zum Bahnhof brachte, sagte Sie, dass sie nicht glaube, dass es noch einmal was wird. Ich bekam einen innigen Kuss… Nie habe ich mir mehr eine Verspätung des Zuges herbeigesehnt. Ich sah aus dem Zug als dieser losfuhr, drängelte die Passanten zur Seite um ein besseres Sichtfeld zu haben. Ich schaute ihr hinterher... Einige Meter weiter hatte ich Sichtfeld auf den Parkplatz.

Das war das letzte Mal, dass ich Sie sah... und auch mein letzter Kuss.

Bis zum heutigen Tag.

Ich brach im Zug zusammen und zog mir das Mitleid anderer Leute zu. Außer einer geschenkten Packung Taschentücher, wimmelte ich jedoch freundlich aber bestimmend jede Geste ab. Es war die längste Heimfahrt die ich je hatte. Am Hauptbahnhof ertrug ich die Menschen masse nicht. Ich rann los, nicht zur weiteren Bahn, sondern zum Ausgang und wählte eine Route, die zwar 2 Stunden dauerte, aber die recht wenig von Passanten frequentiert wurde. Ich wollte allein sein.

Als ich dann, knapp 2 Wochen später, mein letztes Telefonat mit ihr hatte und die magisch-fatalen Worte fielen (die ich aber irgendwie aus ihr herauspressen musste) bin ich zum ersten Mal in meinem Leben komplett erstarrt. Nicht zusammengebrochen, nicht geschrieen, kein Ausbruch der Tränen. Meine Augen machten sich bemerkbar, aber nicht durch salzhaltige Flüssigkeit, sondern durch reine Schmerzen, da ich sie eine Zeitlang einfach nicht mehr geschlossen habe. Rückblickend Faszinierend. Dieser völlige plötzliche Stillstand der Zeit, das verlangsamen des Puls, das erhärten der Nerven. Alles in einem einzigen Zuschlag der Augen. Ich spürte es einmal, danach nie wieder. Zum Glück. Nach knapp 60 Sekunden Schweigens, legte ich direkt auf.

Meine Energien, meine Träume, meine Ziele, meine Hoffnungen,… alles fiel wie ein Kartenhaus im Sturm der Gezeiten zusammen. Wie in einem besonders kitschigen oder auch absolut intensiven Filmerlebnis. Das lege im Auge des Betrachters, sofern er dies gesehen hätte.

An ihrem Geburtstag, knapp 2-3 Monate später (nach der Trennung), versuchte ich Sie krampfhaft zu erreichen. Ich hatte irgendwo noch Hoffnung. Dies hätte der Tag sein sollen, an dem ich den Vorhang wegriss. Warum habe ich bloß solange gewartet? Es schien mir so passend…

Ans Handy ging Sie nicht, auch bei ihr daheim selbst, wurde ich eher abgewimmelt (aber in keiner weise unhöflich, aber doch leicht verwirrt, was mir zu denken gab… ) von der direkten Verwandtschaft. Abends dann kam der Langerwartete elektronische Brief von ihr (Ich saß den halben Tag, ohne jegliche Unterbrechung, nur vor dem Postfach – mit dem Telefon in der hand - und habe im Schnitt alle 30 Sekunden aktualisiert) und ja, er war natürlich der Finger am silbernen Abzug. Er schien nicht einmal böse gemeint und eine normale Abweisung wäre zwar schlimm, aber vielleicht nicht so Fatal gewesen, wie die folgende in Gewissheit. Ich ahnte es, aber es war natürlich wahr und ich verdrängte den Gedanken so gut ich konnte: Sie hat jemand anderen.

OK, dass macht wohl jeder Mal durch. Aber ich kam nicht anderweitig mit, dass es jemanden anders so sehr mitriss… und ich gelte als Ansprechperson bei Problemen anderer.

Ich ging zum Supermarkt und deckte mich mit Hartalk ein. Ich vergas sogar mein Wechselgeld, welches mir eine Frau hinterher reichte. Ich leerte eine Flasche nach der anderen. Ich vertrage viel, aber das war ein ganz anderes Ausmaß. Ich übergab mich später alle 10 Minuten, trank aber bis zur Besinnungslosigkeit immer weiter.

Damit beging ich auch noch den vielleicht größten Fehler. Ich schrieb ihr nämlich eine E-Mail. Diese war durchtränkt von Schuldzuweisungen, Mitleidserregelnden Sätzen und gelöchert mit Liebesbekundungen. Ich war so verzweifelt, so fertig… Ich hatte keinerlei Kontrolle mehr und konnte diesen Kurzschluss nicht aufhalten. Es ekelte mich selbst an, als ich noch einmal gegen las. Auch der folgende Chat, 1-2 Tage später, war dem ganzen weniger förderlich. Im Gegenteil, es wurde noch schlimmer. Es war alles eine monströse Katastrophe.

Zeitgleich, wie sollte es anders sein, wurde ich auch noch physisch krank. Was ich hatte, will ich jetzt nicht unbedingt Platttreten. Nichts wirklich gefährliches, aber dennoch dadurch bedingt ans Bett gefesselt.

Was nun kam, war wohl das scheußlichste was man mir hätte antun können. Hohes Fieber, Übelkeit, Gelenkschmerzen und die brutalen Gedanken an Sie. Ich fühlte mich noch nie so verzweifelt, so unglaublich allein. Ich träumte jede Nacht Ausnahmslos von ihr. Jede verfluchte Nacht. Ich hatte Angst einzuschlafen, als ob mir dieses momentane Wachkoma nicht bereits genug zusetzte. Wenigstens hatte ich Sie da nicht direkt optisch vor dem geistigen Auge.

Ich fühlte mich wie ein Wasserjunge, der von durstigen Menschen zum Brunnen geschickt wird. Dieser ist weit entfernt, aber in aller Gutmütigkeit mache ich mich auf den weg. Ich fülle die Krüge mit frischem, klarem Wasser, welches jede ausgetrocknete Kehle in ihrer misslichen Lage zu neuem Mut gebracht hätte. Ich nehme die endlosen Stufen, die Sonne peitscht in mein Gesicht und stellt mir Stolpersteine, raubt mir meine Energien. Aber dann…, ich nehme die letzte Stufe. Ich wische mir den schweiß von der Stirn. Meine Knöchel sind grün und blau, meine Knie schmerzen, die Schultern klagen, aber ich habe es geschafft. Mit einem lächeln stelle ich mich der Scharr, welche meine Dienste beanspruchte.

Die blicke sind nur passiver Natur, sie haben alle einen Krug in der Hand und mustern mich mit Spott. Wortlos, verwirrend und mit fragenden Augen mustere ich die Gesellschaft. Einer brüllt mich an, ich bekomme gar nichts mit, da meine aktuelle Verwunderung überhand gewann. Ich drehe mich zu dem einen, mich anschreienden, Menschen. Die Schmerzen sind kurz vergessen, bis zu dem Punkt an dem mir ein anderer von hinten in den Rücken trat. Ich stürzte und mit mir mein sorgvoll getragenes Wasser. In einem optischen Stillstand der Zeit, sah ich diesem zu, wie es in den trockenen Sand rann, unglücklich über seine letzte Heimat, aber bestimmend sein Schicksal erkennend. Meine Hand verkrampfte, während die andere ihrer art mit den Fingerspitzen aufbrausend den Boden absuchte, um der Realität zu entfliehen und sich andererseits doch klammheimlich zu bestätigen.

- Dieser Abschnitt ist abgewandelt aus einer meiner Kurzgeschichten, mit dem Namen „Der stille Wasserjunge“, verfasst 2007. Leider beendete ich diese nie…

Was folgte war eine lang anhaltende Odyssee, geprägt von der Überdosierung von (verschriebenen) Antidepressiva, Alkohol und einem Zigarettenverschleiß, von bis zu 4 großen Schachteln am Tag. Ich hatte ja schon so einige Bordsteinkanten im Leben mitgenommen, aber ich kann es weder mit irgendwas vergleichen, noch Wort-Liebens zu Papier bringen. Ich schrieb Handgeschriebene Briefe und schickte nicht einen ab. Ich besorgte mir ein Überweisungsschreiben für die geschlossene Anstalt und doch hatte ich zu viel Angst davor, diese später als „neuer Mensch“ zu verlassen, der seine eigenen Freunde nicht mehr erkennt. Ich habe so bereits einen meiner besten Freunde verloren und diesen Preis war ich nicht gewillt zu zahlen. Für nichts.

Solche Anstallten vergleiche ich irgendwo mit Maskenbildnern…


Erzählt habe ich ihr nie von meinen Unterfangen.

Sie hätte es mir später eh nicht geglaubt, wenn gleich so ziemlich jeder von meinem Vorhaben von Anfang an wusste und mich viele auch Unterstützten.

Ich wollte sie einfach in ruhe lassen und nicht erneut wirken, als das Ich Ihr subtil Schuldgefühle zustecken wolle, in der Hoffnung, dass ich Sie wieder zurückgewinnen könnte. Man könnte das zu leicht ins falsche interpretieren und das wollte ich nun wirklich nicht. Nicht noch einmal solch einen Fehler begehen.

Das einzige was ich noch tat, ich schickte ihr später noch die Daten ihrer defekten Festplatte. Ich hatte diese, noch in Zeiten der Beziehung, selbst – mit mühe und Not – doch noch irgendwie geknackt. Ich respektierte ihre Privatsphäre und gab mir mühe keinerlei Daten einzusehen, was mir auch gelang. Ich zerstörte jene danach.

Ich überlegte zwar, ob ich es wirklich abschicken sollte, aber ich war einerseits doch irgendwo gutmütig und andererseits, ich weiß was ein ungesicherter Datenverlust bewirken kann (z.B. Bilder). Leider kam nie auch nur ein einfaches „Danke“. Erst als ich 2 Monate - über MSN - später fragte, ob mein Paket ankam…

Was mir nach betrachtend wirklich weh tut, ist die Tatsache, dass sie nie etwas von meiner inneren Schlacht bemerkt hat oder vielleicht auch bemerken wollte. Ich weiß es nicht. Ich habe so viele Signale gesendet, die darauf schließen ließen, dass etwas in mir nicht stimmt. 2x habe ich es ihr auch richtig übel genommen und sie war wohl verwundert, warum ich auf einmal so angepisst war.

Es gab einfach Momente wo ich auch einfach mal ein Frage oder eine simple Umarmung gebraucht hätte.

Hat sie sich nie wirklich für mich interessiert? War ich einfach ein Halt, der Sie zwar zerstörte, aber von dem Sie nicht loskam da sie Angst hatte allein zu sein?

Wenn es an der Tür klingelt, hoffte ich noch immer oft, dass Sie davor steht. Auch wenn mir bei einem klingelnden Telefon eine unbekannte Nummer angezeigt wurde, fuhr kurz diese drückende Hitze durch meinen oberen Körperabschnitt.

Ich habe auch keinerlei anstallten mehr unternommen auszuziehen. Könnte ich jederzeit, Geld für Kaution, Einrichtung, etc. ist auf dem Sparbuch unangetastet. Ich verspüre einfach kein Bedürfnis dafür. Einfach keinen Grund mehr. Ich habe meine eigentliche Umgebung auch seitdem fast nicht verändert…


Es verging bisher kein Tag, wo ich nicht wenigstens einmal an sie dachte. Keine Ausnahme wurde mir gegönnt.

Ich konnte zwar mit der liebe zu ihr irgendwo abschließen, aber es blieb immer noch dieses klitzekleine verlogene Stück Hoffnung in einem, Sie zumindest als Freund zu behalten.

Ich lernte andere Frauen kennen, aber egal wie hübsch, sympathisch oder pfiffig jene auch erschien, es kam immer ein ungewollter Vergleich auf und da zog jede andere automatisch den Kürzeren. Nicht einmal für Sex interessiere ich mich, lies die ganzen 2 Möglichkeiten (Klingt nicht gerade toll, hm?) die ich hatte verfliegen. Ich konnte einfach nicht.

Vielleicht ist war Sie wirklich die Liebe meines Lebens, da es so lange an einem kratzte. Aber dies ist träumerisches Wunschdenken und schmerzt mich nur weiterhin. Ich wünschte ich könnte einfach einen Schalter betätigen und dieses Gefühl abstellen.

Jemand sagte mal, dass die größte Folter eine unerwiderte Liebe ist. Ich kann dem nur Stumm, aber bestimmend, zunicken.

Ich könnte das ganze noch vertiefen, denn das alles ist nur die Spitze des Eisberges. Ich hätte ihr soviel noch zu berichten. Aber diese Gelegenheit werde ich nie wieder haben.

Aber um mal mit einem Zitat, diesem schreiben ein vorzeitiges Ende zu setzen:

„… Sie ist weg und hat mich mitgenommen…“

 

Kurzer Nachtrag:

Ich habe, über das letzte Jahr hinaus, mein Leben wieder in geordnete Bahnen gelenkt. Es ist nicht so, dass ich mich irgendwo gehen ließ und mich zurückzog in meine eigene kleine Welt. Mein Telefon klingelt mehrmals täglich, ich bin oft und viel mit Freunden und Bekannten Unterwegs, besorgte mir endlich wieder professionelle Hilfe, griff die Musik nach vielen Jahren neu auf, habe keinerlei finanzielle Probleme mehr, gönne mir viel, bin viel auf Achse und auch sonst habe ich oft viel Freude im Leben

Es ist natürlich irgendwo schade so eine Entwicklung alleine durchzumachen, aber Hauptsache man macht sie. Man kann sich nicht ewig an alten Sachen festklammern und ewig versuchen sich einen neuen alten halt zu schaffen. Ich fahre damit mittlerweile ganz gut.

Man ist irgendwo einfach um eine Erfahrung reicher und aus früheren Fehlern kann man seine schlüsse ziehen, auf das man sie nicht nochmal begeht. Das Leben geht einfach weiter und ich will noch vieles sehen, anstellen und bewirken.

 

 

4.1.09 19:37
 


Werbung


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mission.entlieben / Website (4.1.09 22:35)
also der Text ist wirklich bewegend. Macht es dir was aus wenn ich dich verlinke? Werde sicher weiter lesen, du schreibst toll.
Das was du beschreibst kenne ich. Große Liebe. Immer dran denken. Alle anderen vergleichen.
Das einzige was mich tröstet ist, wenn es deine große Liebe ist, dann würde sie auch erwiedert werden. Dann würde sie dich auch lieben. Vielleicht ja nicht jetzt, aber irgendwann.
Ach ich weiß nicht. Das es dir fehlt neben diesem Menschen zu liegen und einfach den Atem auf der Haut zu spüren kann ich so nachvollziehen. Auch wenn mich jemand auf dem Handy anruft, ich denke immer er könnte es sein- sich wenigstens bedanken, das ich noch an seinen Geburtstag gedacht habe, und ihm ein geschenk geschickt hab.
Ich finde verlassen werden wegen jemand anders einfach grausam. Es zerreißt einem wirklich das Herz, wenn man daran denkt. Und wenn man für diesen Menschen alles tun würde, erst recht.
.. ist weg und hat mich mitgenommen.
wie wahr.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de