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Der etwas andere Rückblick...

Oh, ich hasse mich manchmal. Da suche ich nach meinem alten Blog und stöbere bei einem Kater-Bekämpfenden Kaffee ein wenig, um nach einer Design-Idee Ausschau zu halten und finde dabei eine Person, die wohl den größten Einfluss auf meinen Lebenswandel hatte. Wenngleich auch meine eigentlichen Gefühle für Sie bereits lange passe sind, kommt mir kein anderer Mensch öfters in den Sinn. Ich Assoziiere Sie einfach noch mit viel zu vielen Dingen, materiell wie gedanklich.

Ich lies allerdings nichts, sondern betätigte die berühmte Alt+F4 Kombination nachdem ich es erkannte. Trotz noch recht hoch angesiedelten Promille Wert, dachte ich kurz nach und setzte mich hin und schrieb ihr einfach mal. Leider sehr unglücklich, wie ich mir einen Tag später mein gesendetes schreiben noch einmal vor Augen führte. Überdreht Euphorisch, also ob man einen alten Freund wieder fand, mit dem man in guten Dingen auseinander ging und einfach absolut nicht meiner art entsprechend. 100 Punkte, mein lieber.

Ihre Antwort war nicht weiter verwunderlich. Nicht das ich wirklich was anderes erwartet hätte… Aber dennoch, dass war ein absolutes Eigentor welches ich, bei besten Willen, nicht rückgängig machen kann. 

Ich gab mir früher mühe, nicht Gefahr zu laufen auch nur irgendein Detail ihrer jetzigen Existenz in Erfahrung zu bringen. Zu welchem Zweck auch? Es hätte mir höchstwahrscheinlich nur irgendwo wehgetan. Es gibt einen groben, empfindsamen, Unterschied zwischen einer Information die man auf um wegen erhält, oder eben direkt von der betreffenden Person selbst. Beide können schmerzen, aber eine Form schmerzt deutlich mehr…

Sie hält mich wohl vielleicht weiterhin für den nervenden, unaufmerksamen, nichts auf die Reihe kriegenden, farblosen Versager, wo sie lange Zeit froh war, keinerlei Gedanken mehr über ihn verschwenden zu müssen. Oder machen wir es mal kurz und schmerzlos: Ich bin ihr einfach absolut egal und sie hat mich wohlmöglich schon lange, mit federhafter Leichtigkeit, aus ihrem Kopf Eliminiert.

Diese Erkenntnis schmerzt ehrlich gesagt gerade sehr stark und raubt mir seit 23 Stunden das Hungergefühl. Es sollte mir eigentlich egal sein, aber momentan kehren alte Gedankengänge wieder zurück. Wie eine Reflektion, welche man nach einem längeren Zeitraum nicht erwartet hätte und nun die volle Aufmerksamkeit fordert.

Dabei habe ich mich von so ziemlichen allen dingen getrennt, vor längerer Zeit, mit der ich sie assoziieren könnte. Neben einem Stofftier, einzig ein Geschenk, eine Pflanze, verweilt noch immer bei mir und sie wächst unfassbar. Sie gedeiht so gut, dass Ableger bereits in einem lokalen Blumenladen ein weiteres Zuhause fanden, genau wie in einem Restaurant, eingepflanzt hier in der Umgebung und bei diversen Personen (irgendwo erstaunlich dieses gewisse Schauspiel mitzuverfolgen) und ich muss jedes mal lächeln, wenn ich eine von ihnen noch heute sehe…

 

Auf meinem Desktop liegt ein, sich über Sieben Seiten erstreckender, Artikel zu den Vorkommnissen meinerseits aus dem Jahr 2007, den ich aktuell verfasste um mir einfach mal alles von der Seele zu schreiben (Schlafen konnte ich sowieso nicht) und ein letztes mal zu analysieren. Aber ich konnte mich bisher nicht durchringen diesen Beitrag hier auszustellen.

Andererseits habe ich ewig mein Mundwerk verschlossen gehalten und brav, mit eiserner Disziplin, einfach alles in mich hineingefressen. Dieser Zustand ging über Jahre Hand in Hand mit meinem Gewissen und nun droht erstmals jener Handschlag dummerweise zu brechen...

Ich hätte einiges richtig zu stellen, einiges zu Berichten wo von sie nicht den hauch einer Ahnung hatte. Mag in diesem derzeitigem Zeitpunkt, da alles schon weit über ein Jahr zurück liegt und gesagt schien, eh irrelevant sein, aber meine seelischen Narben blieben irgendwo. Auch wenn diese das Fundament eines kompletten Wandels wurden, welchen ich viele Dinge positiver Natur zu verdanken habe, so lodert doch ein gewisser, unbremsbarer, Wille in einem dies noch ein letztes mal aufzufassen.

Stellen tue ich mir nur folgende Frage, was wäre wenn Sie das liest? Ich glaube der, dann aufkommende, gedankliche Stempel, wäre eher ein Zyklus von ausgeprägter negativer Natur. Auf das ich einerseits Schuldgefühle erwecken wolle, gesalzen mit zynischer Korrektur und abgeschmeckt mit einer gehörigen Prise „...das glaube ich dir nicht…“. Schlicht gesagt, einer art modernen Pamphlets. Ich glaube einfach nicht, dass Sie neutral an die Sache gehen könnte, nach all dem vorgefallenem, sowie der zeitlichen Differenz, und so würde das ganze aus ihrer Sicht wohl zu einer art schlechter Farce werden.

Aber dies ist bei weitem nicht der Fall, sondern ein kompletter Bericht, was hinter ihrem Rücken und meiner halben Maskerade geschah. Wie ich sie erlebte, wo und warum ich meine Augen verschloss und ihr teils wehtat.

Ich bin absolut neutral und bis ins Mark ehrlich an das Schreiben gegangen, inklusive Auflistung eigener Fehler. Absolut vorwurfs- wie vorurteilsfrei und absolut nüchtern verfasst. Ich habe keinerlei Gründe zu lügen und hege keinerlei Absicht irgendetwas gerade zu biegen, oder ihr neu zu gefallen. Auch wenn sie es wohl eventuell (was sage ich…, es wird der Fall sein) so auffassen würde, wäre es mir wichtig dass sie wüsste, dass dies nicht meine Absicht ist.

Es ist einfach nur so, dass ich ihr so unglaublich viel verschwiegen habe, um es ihr in vielen Dingen leichter zu machen.

Da Sie nichts, aber auch rein gar nichts davon bemerkte, habe ich wirklich scheinbar gute Arbeit geleistet. Der Preis war, dass ich mit diesem Schiff in See stach, Mastbruch erlitt, gnadenlos Unterging und im Meer der unausgesprochenen Dinge ertrank, ohne jeweils auch nur eine einzige verdammte Komponente davon aufzeigen zu können. Man kann mir die volle Verantwortung zusprechen, dass ich meines eigenen Schicksals Schmied war und ja, durchaus traf ich schwerwiegende, wie schlechte, Entscheidungen.

Während meiner Krankheit, Anfang letzten Jahres, und der damit eingehenden Bettlägerigkeit, hatte ich viel Zeit zum Nachdenken und es war wie ein unvollständiges Puzzle. Viele Teile waren verloren, aber der Rand, wie auch kleine Bruchstücke die man sich vorsorglich zusammensetzt um es im Aufbau leichter zu haben, kamen doch zusammen… und meiner Herren, fing ich spät an diverse Sachen zu begreifen, zu deuten und insbesondere zu interpretieren. Sicher, viel zu spät, aber die Erkenntnisse wichen nicht.

Das letzte was ich hiermit ausdrücken will ist ein Engel <-> Teufel Verfahren. Sie hat jeden Grund, jedes Recht über mich zu Urteilen, genau wie mit mir seit Ewigkeiten abgeschlossen zu haben. Ich ja ebenso. Es ist nur menschlich, normal und völlig Legitim. Ich bin mir absolut im Klaren, dass all dies der Vergangenheit zugehört und man diese auch eigentlich ruhen lassen sollte. Was passiert ist, ist passiert. Jeder Protagonist führt nun bereits seit längerer Zeit sein eigenes Leben, verfolgt seine eigenen Interessen, entwickelte sich weiter. Vielleicht war man auch nie wirklich teil des anderen, respektiv betrachtet.


Da ich ihr, über früh oder lang, eh höchstwahrscheinlich über den Weg laufen werde - wenn gleich ich wohl mein bestes tun würde sie zu Ignorieren - habe ich irgendwo den komplett abstrusen Wunsch gehegt, dass ich mit gewissen Sachen einfach noch mal aufräumen könnte.

Nicht um ihr irgendwas einzureden, nicht um irgendwas gerade zu biegen, nicht um etwas Vergangenes neu aufleben zu lassen. Einfach nur mal, nach all der Zeit, mein schweigen in gewissen Dingen zu brechen, was außerhalb einer Beziehung einfach irgendwo leichter fällt.

Ich bin mir meiner aktuellen, wie wohl zukünftigen, Position hierbei allerdings uneingeschränkt bewusst und sie wird wohl kaum irgendwann vor meiner Tür stehen, klingeln, wortlos an mir vorbeiziehen, sich setzen und ein zynisches „Also...?“ abgeben. Dies begründe ich mit dem höchstwahrscheinlich mangelnden Interesse ihrerseits in dieser Thematik.

Hat sie noch immer ihre Dämonen? Ich weiß es nicht und es geht mich ja auch einfach nichts mehr an. Ich bin nur gedanklich, nach dieser angenehmen mittleren Ruhephase, wieder komplett fokussiert und mit keiner Ablenkung kann ich dagegenwirken, was wohl auch meine Niedergeschlagenheit irgendwo begründet. Man ist irgendwo hilflos…

Es sind wohl alles alte Kamellen, zu lang her, als das diese noch Emotionen, seien sie eingehüllt in grünen oder roten Gewändern, hervorrufen können. Wobei, letztere wohl eher… Aber dies hätte ich wohl riskiert. Allein das mir keine halbe Stunde zustand, aber ihr Jahre meiner inneren Zerrissenheit.

Sie soll bloß nicht denken, dass mir ihr Leid, ihre schmerzen entgingen. Gerade deshalb fasste ich vorhaben auf, die mir alles, von antrieb über verstand, bis hin zur letzten Kraft, alles raubten und jene eben die flüssige Essenz dieses Beitrages und meines erfassten Artikels sind.

 

 


.. und nun bin ich in Gedanken ob ich hier noch den kompletten Hintergrund dieses Eintrages hinzufüge, oder es direkt in den Papierkorb wandert und ich irgendwo wieder den Deckmantel des Schweigens anziehe. Aber melden werde ich mich selbst nie wieder bei ihr. Meine Versprechen halte ich ein. Höre ich noch einmal von ihr? Ich weiß es nicht. Ich werde nichts erzwingen… Nicht einmal durch diese Schrift.

3.1.09 23:28
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mission.entlieben / Website (3.1.09 23:57)
Ein wirklich bewegender Eintrag. Du hast eine tolle Art zu schreiben. Die Seelischen Narben sind leider die Schlimmsten. Manche Sachen vergisst man nie.

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